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Die Guttempler-Friedensfahrt 2016 hat ihr Ziel in Bremerhaven erreicht.

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Nach dem gestrigen windstillen Sonnentag hat sich das Wetter neu orientiert, nicht zuletzt um über Bremerhaven am kommenden Wochenende die Sonne strahlen zu lassen. Dabei gibt es Reibungsverluste und heute streicht ein Regenband übers Land. Für Norddeutsche heißt das, es frischt nur ein wenig auf, so dass ich mein Gepäck mit Regenschutz versehe und Richtung Norden aufbreche, während andere Radler noch im Hotel die Wetterentwicklung abwarten wollen. Der Weserradweg führt über Verden im Halbkreis 40 Kilometer lang zum 20 Kilometer entfernten Thedinghausen – die sich aufzwingende Abkürzung wähle ich sofort und unbesehen.

Da die Eltern lange Zeit im fraglichen Raum um Verden lebten, gibt es auf dem Teilstück nicht viel Neues für mich zu entdecken. Wie sehr man sich an den sorglosen Verkehr im Radwegenetz gewöhnen kann, wird mir schlagartig auf der radweglosen und vielbefahrenen Landesstraße deutlich, zum Glück sind es ja nur 20 Kilometer. Während gestern alle Windräder stillstanden, wirbeln sie heute munter – dass ich ihre Rotorblätter dabei alle von hinten sehe, sagt mir, von wo mir heute der Wind entgegenbläst: von vorne.

Der Bericht, wie es am geografischen Mittelpunkt Niedersachsens aussieht, muss leider noch warten – nach Abstechern steht mir heute nicht der Sinn. Gut zu wissen, dass er sich in der Nähe Hoyas befindet, das für die niedersächsischen Guttempler ja auch das Zentrum ihres Universums darstellt.

Thedinghausens schlanken Kirchturm erinnere ich noch aus Kinderzeit, war er doch vom elterlichen Campingplatz aus weithin sichtbar. Ich hielt ihn für ein Bauwerk Braunschweigs, da damals alle Trecker dort mit einem BS-Kennzeichen herumfuhren. Vor der Gemeindereform in den 70er Jahren gehörte diese Gemeinde aufgrund historischer Jagdleidenschaften der Welfen tatsächlich zum 160 Kilometer entfernten Braunschweig. Heute erkennt man dies noch am Wappen, dem fürstlichen Rathaus sowie der Tatsache, dass die Hauptstraße heute noch »Braunschweiger Straße« heißt.

Wie gut, dass die neue Gemeindesatzung einfachere Verwaltung historischen Sentimentalitäten vorzog. Im anderen Fall wäre der Ort sicher schon längst wüst und verlassen, da sich niemand mehr aus Braunschweig um ihn gekümmert hätte – »Thedinghausen? Was ist das denn?« So ist es ja mit vielen Satzungen, die sich dem unentwegt wandelnden Leben anpassen müssen, damit es nicht stirbt.

Inzwischen frischt es immer mehr auf, doch als ich mich umsehe, sind Bauarbeiter auf dem Neubau am Placken, Spargelstecher am Stechen und Gärtner pflanzen neue Bäumchen. Wenn sie der Regen nicht kümmert, warum sollte er dann mich kümmern? So fahre ich weiter und schon bald lässt er auch nach und die Kleidung ist im Nu wieder trockengeweht. In Dreye führt der Weg auf den Weserdeich, so dass ich den seit Hoya nicht mehr gesehenen Anlass dieser Fahrt auch wieder vor Augen habe. Eine Eisenbahn- und kurz darauf Autobahnbrücke überspannen Fluss und Hochwasserschutzgebiet. Als nebenberuflicher Trainspotter nutze ich die Chance auf Zugmotive und verspeise beim Warten darauf meine restlichen schwedischen Geburtstagskekse. Es dauert ein paar Weilchen und als ich schon zu glauben beginne, die Strecke sei gesperrt oder die Bahn bestreikt erscheint doch ein winziges Bähnchen, kaum länger als eine Straßenbahn. Kurz darauf geht es dann aber doch zügig hin und her auf der Brücke. Zu guter Letzt landet noch ein Flugzeug auf dem nahe gelegenen Flughafen und ein Binnenschiff tuckert die Weser hinauf. Die A1 rauscht derweil schmerzerzeugend – verkehrsmittelmäßig habe ich heute also alles beisammen.

Bei der Einfahrt nach Bremen wird mir klar, warum ich eine Weserradweg-Beschilderung in der Heimatstadt noch nie so richtig wahrgenommen habe: der Weg führt über die linke (westliche) Weserseite hinein – und auch wieder heraus. Immerhin macht er Zugeständnisse an die Innenstadt und deutet zumindest die Richtung Marktplatz mit Roland, Rathaus, Dom, historischen Kaufmannsgebäuden und dem Landesparlament an, in dem er für ein kurzes Stück auf die »richtige« rechte Weserseite wechselt. Diese Route müssen Bremen-Hasser oder ignorante Niedersachsen festgelegt haben, die nicht wollten dass die Radfahrer zuviel Geld in der Hansestadt zurücklassen und so ihren Anteil am Kuchen schmälern.

Während bisher Hotels und Cafés die Radler durch unterschiedlichste Werbeschilder – von handgemalt unleserlich bis professionell lesbar – auf ihre Angebote aufmerksam machten, ist in Bremen diesbezüglich tote Hose. Nicht einmal unmittelbar am Deich gelegene Etablissements nutzen die Chance dese Zielgruppe anzusprechen. So bin ich schon wieder raus aus Bremen, nachdem ich das riesige Industriegebiet rings um den Containerhafen durchquert habe, als ich bemerke, dass ich noch gar nichts zu beißen hatte. Die auf 20 Kilometern einzige Gaststätte eines Jachthafens hält um diese fortgeschrittene Zeit nur Kaffee und Kuchen bereit – der Hunger treibt's rein. Im Hintergrund ertönt eine Radiomeldung, dass das neue Jahrbuch Sucht erschienen ist. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen weist darin unter anderem auf die Gefahren des Freihandelsabkommens TTIP für die Suchtprävention hin, wenn Tabakkonzerne von allen Beschränkungen befreit von der Leine gelassen werden. Hier geht's zu den Pressemitteilungen.

Der Weg führt unmittelbar am Weserufer entlang, dies ist immerhin ein Vorteil der auf der anderen Seite nicht zu realisieren wäre, und bietet damit herrliche Panoramen von Alt und Neu in der Bremer Hafennutzung. Der Gegenwind ist damit leider auch völlig ungebremst und senkt die durchschnittliche Drehzahl auf 11 km/h. Wenn man nicht gerade Gustav Gans oder Christian Bölckow heißt, ist der norddeutsche Radler aber darauf vorbereitet und fährt notfalls im Stehen und grummelnd gegen den Wind an.

Drei Dinge sind es, die ich als Radfahrer am Ende einer über 70 Kilometer langen Tour schätze:

  1. Umleitungen, die den Weg um zig Kilometer verlängern
  2. ordentliche Steigungen zum Zielort
  3. sattes Kopfsteinpflaster, das einem noch einmal so richtig deutlich macht, wo das Radfahren wehtut

So bin ich auch nicht begeistert, als eine Absperrung – ausdrücklich auch für Fußgänger und Radfahrer gemeint – mein ohnehin schon langsames Vorankommen auf dem Deich weiter einschränkt. Immerhin führt die Umleitung um ein Windrotorwerk herum durch ein Dorf, worin der Gegenwind durch Deich und Häuserzeilen behindert nur noch milde waltet.

Schließlich ist aber der Fährort »Motzen« erreicht, so dass ich nicht weiter motzen muss. Ich setze über nach Bremen-Blumenthal und suche mein privates Quartier auf. Weitere 70 Kilometer sind geschafft.

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