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Die Guttempler-Friedensfahrt 2016 hat ihr Ziel in Bremerhaven erreicht.

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Am Weserstein in Hann. Münden beginnt unsere diesjährige Guttempler-Friedensfahrt mit Ziel Guttempler-Kongress in Bremerhaven. Leider hat der zweite Anreisende ein untaugliches Fahrgerät dabei, mit dem die Strecke nur unter allergrößten Anstrengungen zu bewältigen wäre. So reicht es aber immerhin noch zum Fototermin mit Manfred Nikoalai, dem früheren Vorsitzenden der damaligen Guttempler-Jugend von 1973 bis 1978, jener Zeit also in der ich das Radfahren gerade erlernt hatte.

Die heutige Etappe führt durch drei Bundesländer und ich überquere die erste Weserbrücke, um mit dem hessischen Teil zu beginnen. Der Weg führt zunächst an ruhigen Straßen entlang, bis er auf einen ausschließlichen Radweg abschwenkt, der meist flussnah an der Weser entlang führt und traumhafte Aussichten auf Täler und Berge eröffnet. Das Auge kann sich an dem frühlingshellen Grün gar nicht genug sattsehen, obwohl ich vermute, dass in Wirklichkeit das dahinterliegende Gehirn dieses Bedürfnis generiert.

Pünktlich um Zwölf erklingen die Glocken des Klosters Bursfelde auf der anderen Weserseite und erinnern mich daran, dass zur gleichen Zeit in Hamburg die Trauerfeier für Jan Jacobs beginnt, an der ich ohne Friedensfahrt-Auftrag sicher teilgenommen hätte. »Das passt schon«, denke ich für mich, dass ausgerechnet Klostergeläut mich an alte Kommunisten erinnert. Auch wenn wir selten einer Meinung waren, wussten wir uns doch darin einig, dass es für die Guttempler soviel durch Alkohol verursachtes Übel zu verhindern gibt, welches allein mit Suchthilfe nicht zu bewältigen ist. Alkoholpolitik, Frieden und internationale Freundschaften waren unser gemeinsamer Nenner und Jans Einsatz dafür wird den Guttemplern fehlen.

Frisch geborene schwarze Lämmer führen die Gedanken ans andere Ende der Lebenslinie und die Fahrt geht weiter. Die Weser macht hier viele Schleifen und je nachdem, ob man sich gerade auf der falschen Seite befindet, fährt man bis zu vier Kilometer mehr. Brücken sind seltene Verbindungslinien mit den gegenüber liegenden niedersächsischen Gemeinden, diese Aufgaben übernehmen viele Fähren von unterschiedlichster Größe und Ausstattung.

Mit Bad Karlshafen wird der letzte größere hessische Ort verlassen, hier gibt es Mittagspause im Supermarkt-Café. Am Dreiländer-Eck bei Würgassen begegnet mir ein anderes Hartz4-Wohnwagen-Gespann, das meinem ähnelt, nur dass meinem das Schild fehlt, mit dem Arbeit gegen Essen angeboten wird. Die Eintrittskarte Nordrhein-Westfalens ist also ausgerechnet das abgehalfterte Atomkraftwerk, das hier noch überall als »Kernkraftwerk« ausgeschildert ist. Dies erinnert mich an die absurden Stilblüten der Sprachregelung der Herrschenden, die ihre Atommüllkippen damals »Entsorgungsparks« tauften, weil das irgendwie netter klingt. Heute, wo die Energiekonzerne feststellen, dass die Kosten der »Entsorgung« – was ja nicht mehr heißt als tiefe Löcher graben und hoffen, dass die mächsten 10.000 Jahre das Zeug nicht wieder hochkommt – die Prognosen der Atomkraftgegner aus den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts sogar noch übersteigen, möchten sie diese drohenden Verluste nun doch lieber den Steuerzahlern aufbürden. Dieses Geschäftsmodell »Gewinne einstreichen, Verluste verstaatlichen« kennen wir ja bereits unter dem Stichwort »Bankenrettung«.

Zügig verlasse ich also diese wütend machende Gegend und gelange an Höxter vorbei nach Holzminden, wo es aber immer noch zu früh zur Schlafplatzsuche ist. Die Sonne ist verschwunden, häufig kommt eine frische Brise von vorn und zwingt mich in wärmere Wäsche zurück. Unterwegs bemerke ich eigenartiges Schaltungsverhalten und stelle fest, dass mein Hinterrad, an dessen Achse der Hänger befestigt ist, locker in seiner Halterung umhereiert. Dies ist schnell behoben und ich benötige dazu nicht einmal die Hilfe der vielen kreuzenden Radfahrer, die meinen Weg den ganzen Tag schon mit mir teilen.

In Polle endet mein Tag, unterhalb einer Burgruine nutze ich eine der letzten Fährfahrten um zum Campingplatz überzusetzen, der auch Gästezimmer bereithält, welche ich angesichts der nun herrschenden Kälte dem Zelt vorziehe. Rund 90 Kilometer sind bewältigt.

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